Zur Sonderausstellung in Tüchersfeld 2010: -4-

"Handwerker - Krieger - Stammesfürsten"

Funde aus der germanischen Höhensiedlung auf dem Reisberg


=> Prunkvoll ausgestattete Fürstengräber

     [zurück zum Reisberg -1-]

     [Zurück zur Übersicht]

     [Zurück zur Völkerwanderungszeit]

Kriegergräber: Gut ausgestattet ins Grab

   Abb. 1 

Vitrine mit dem Metallinventar aus dem Kriegergrab von Scheßlitz-Kohlstatt
aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Reisberges - 2. Hälfte 4. Jhdt.
Pfeilspitzen, Feuerstahl, Beschlagteile einer Tasche und Zwiebelknopffibel

I
n einer großen Grabkammer mit Holzeinbau wurde der Tote offenbar mit einem römischen Militärmantel bestattet. Hierauf deutet die Bügelknopffibel, ein römisches Offiziersabzeichen, hin. An der linken Hand trug er einen silbernen Fingerring. An einem mit einer schlichten Schnalle verschlossenen Gürtel trug er eine Tasche, zu der ein Knebel, Riemenzungen sowie bronzene Klemmverschlüsse gehörten. Als Bewaffnung waren ihm ein Messer, eine Axt sowie 4 Pfeilspitzen ins Grab gegeben. Ferner erhielt der Verstorbene ein umfangreiches Ensemble aus 6 Tongefäßen, darunter eine Terra Nigra-Schale aus römischer Produktion. Der aufwändige Grabbau sowie die Qualität der Beigaben zeigen, dass der Tote zur elbgermanischen Elite zählte. Möglicherweise war er einer der Begründer der benachbarten Befestigung auf dem Reisberg.[Historischer Verein Bamberg]          

Eine hierarchisch gegliederte Gesellschaft
Die aus den Gräbern überlieferten Zeugnisse spiegeln eine hierarchisch gegliederte Gesellschaft wider. Im Laufe der Zeit und unter dem Einfluss der Römer veränderte sich diese. Die soziale Stellung des Mannes definierte sich über sein kriegerisches Geschick und seine Ausrüstung. War vor der Begegnung mit den Römern die Mitgabe von Waffen ins Grab im Totenbrauch unbekannt, werden infolge der zunehmenden Auseinander-setzungen Waffen bei den Männerbestattungen immer wichtiger. Die Kriegerelite zeichnet sich durch die Beigabe eines Schildes, Pfeil und Bogen, eines Schwertes und einer Wurfaxt aus. Ab dem 3. Jahrhundert wird der römische Einfluss offensichtlich: Zusätzlich zum Halsring als germanischem Würdeabzeichen findet sich nun in den Gräbern der Führungsschicht oftmals eine Zwiebelknopffibel, ursprünglich Bestandteil sowohl der spätrömischen Offizierstracht wie auch der Kleidung spätantiker Beamter. Auf der rechten Schulter getragen, hielt sie den Mantel als Standeszeichen zusammen.

  Abb. 5

Das Kriegergrab von Kemathen  
Um 420/440 wurde in Kemathen, Ldkr. Ingolstadt, ein elbgermanischer Söldner der römischen Armee in einem Kammergrab eines elbgermanischen Gefolgschaftsführers im Limesvorland beim Kipfenberg beigesetzt. Als Zeichen seiner Offiziersstellung trug er einen Militärmantel, den eine Fibel über der Schulter zusammenhielt (Abb. 6). Das luxuriöse römische Glasgefäß unterstreicht seinen hohen Rang (Abb. 7).

Der Tote wurde mit einem großen Schwert mit magischer Perle, einem Schild mit spitz­konischem Eisenbuckel und einem vollständigen römischen Militärgürtel mit Kerbschnitt verzierten Bronzebeschlägen und als weiteres Zeichen seines Ranges in der spätrömischen Militärhierarchie mit einer silbernen Mantelschließe und einem silbernen Fingerring beigesetzt (Abb. 5). Die Keramikgefäße für die Speisen- und Trankbeigaben sind elbgermanischer Provenienz; ein gläserner Spitzbecher stammt hingegen aus römischer Tradition. [Archäologische Staatssammlung München].
 

   Abb. 8

Kriegergrab Mannheim-Feudenheim Grab 2 -  1. Jhdt.

Das Kriegergrab enthält mit Axt, Speeren und Schild die typische Bewaffnung eines germanischen Kriegers, Die sog. Augenfibeln erlauben eine Datierung in das erste Jahrhundert n. Chr. Die dem Krieger mitgegebene bronzene Handwaschgarnitur, bestehend aus Kanne und Griffschale, demonstriert die Übernahme römischer Tischsitten. Hingegen deutet die Mitgabe eines Trinkhornes (Abb. 11) das Verharren in germanischen Traditionen an. Dies zeigt, dass die germanischen Neusiedler durchaus Elemente römischer Lebenskultur übernahmen, dennoch aber nicht auf ihre gewohnte Lebensart verzichten wollten. [Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim]

Römische Militärgürtel waren begehrt
Kerbschnittverzierte Gürtelbeschläge, zumeist aus Bronze, sind typische Bestandteile der spätrömischen Militärtracht. Die punzverzierten Schnallen und sonstige Beschläge  waren auf breiten Ledergürteln aufgenietet. Derartige Gürtel trugen römische Legionäre. An diesen oft reich verzierten Gürteln (cingulum) hingen die Schwerter, Dolche und oftmals eine lederne Tasche, die Kleinutensilien wie Toilettebestecke und Feuersteine enthielt. Die Gürtel waren so charakteristisch, dass sie den Soldaten kennzeichneten, auch wenn er keine Rüstung trug. Zahlreiche Bestandteile dieser Militärgürtel sind auch weit jenseits der römischen Grenze in germanischen Siedlungen und Gräbern zu finden. Sie weisen darauf hin, dass ihre Besitzer ursprünglich dem römischen Heer als Söldner in den Auxiliartruppen dienten. Nach ihrer Dienstzeit nahmen sie die Rangabzeichen in ihre Heimat mit. Im Inneren Germaniens waren diese Gürtel so sehr begehrt, dass sie sogar nachgemacht wurden.

Trinkfreudige Germanen

    Abb. 11

Trinkhorn (Nachbildung) Mannheim-Feudenheim Grab 2 Eisen und Holz - 1. Jhdt.

In der frühen Kaiserzeit finden sich des öfteren Beschläge von Trinkhörnern in den Gräbern. Das eigentliche Gefäß, meist aus Horn oder Holz gefertigt, hat in der Regel nicht überdauert.
Tacitus zu Folge waren die Germanen trunksüchtig, doch sind Funde von Trinkhörnern bislang in germanischen Gräbern vergleichsweise weniger häufig als Waffen. Hingegen wurden in einer einzigen römischen Villa am Vesuv mehr silberne Trinkgefäße gefunden als im gesamten germanischen Gebiet.
[Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim]


Literatur

(1) Christoph Eger: Die Höhensiedlung des 4. und 5. Jahrhunderts auf dem Reisberg bei Scheßlitz-Burgellern, Lkr. Bamberg; in Handwerker Krieger Stammesfürsten; Aufsätze im Begleitband zur Sonderausstellung im Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld vom 22. Mai - 07. November 2010.
(2) Jochen Haberstroh: Der Reisberg bei Scheßlitz-Burgellern in der Völkerwanderungszeit Überlegungen zum 5. Jahrhundert n. Chr. in Nordbayern
[in GERMANIA 81-1, 2003]
(3) Abels Björn-Uwe, Sage Walter, Züchner Christian, Oberfranken in vor- und frühgeschichtlicher Zeit, Bamberg, 1996 (= Lit. 1)
(3a) Haberstroh Jochen, Germanische Funde der Kaiser- und Völkerwanderungszeit aus Oberfranken. Kallmünz 2000 (= Lit. 15)                  (4) Tafeltexte [Jens Kraus]
(5) B.-U. Abels, H. Voss: Selten und schön, Arch. Kostbarkeiten, Lichtenfels 2007  

=>   Prunkvoll ausgestattete Fürstengräber

=>   Bilder von der Sonderausstellung
        Handwerker - Krieger -Stammesfürsten" im Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld 
                                                                            in einem PICASA-Webalbum

=>  [zurück zum Reisberg -1-]

=>  [Zurück zur Übersicht]

=>  [Zurück zur Völkerwanderungszeit]


   Abb. 2

Metallinventar aus dem Kriegergrab von Scheßlitz-Kohlstatt
aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Reisberges - 4. Jhdt. [(1), Abb. 7)]

 

   Abb. 3

Zwiebelknopffibel aus dem Kriegergrab von Scheßlitz

 

  Abb. 4

Riemenzunge von einem römischen Militärgürtel
vom Reisberg - Museen der Stadt Bamberg
 

   Abb. 6

Kopf des Kriegers von Kemathen, Ldkr. Ingolstadt (Inszenierung)
Deutlich ist die Fibel zu erkennen, welche den Militärmantel zusammen hält.

 

  Abb. 7

Glasbecher aus dem Kriegergrab von Kemathen, Ldkr. Ingolstadt

 

     Abb. 9

Kerbschnittverzierte Gürtelbeschläge
aus dem Kriegergrab von Kemathen, Ldkr. Ingolstadt

 

  Abb. 10

Rekonstruktion des Gürtels
des Kriegers von Kemathen, Ldkr. Ingolstadt

 

  Abb. 12

Teile kerbschnittverzierte Beschläge
spätrömischer Miltärgürtel vom Reisberg
[(1), Abb. 12]

 

   Abb. 13                  Abb. 14

Gürtelbeschlag vom Reisberg                      Zeichnung [aus (1), Abb. 13]
Breite 6,8 cm

  Abb. 15       Abb. 16

Nachbildung kerbschnittverzierter        Spätrömische Gürtelgarnitur aus Bronze
Gürtelbeschläge
von der Ehrenbürg         von der Ehrenbürg, Lkr. Forchheim
[Sonderausstellung im Fränkische               [(3), S. 155] -
Breite: etwa 13,6 cm
Schweiz-Museum Tüchersfeld]                   => Höhere Auflösung [(5), Nr. 106, S. 225]

=> Zeichnung [(3a), Tafel 92]                     => Gürtelgarnitur im ArchäologieMuseum
                                                                Oberfranken in Forchheim
(Webalbum)


     nach oben      [home]                                                                 Alle Fotos (außer 12 + 14): D. Sch     -      Dieter Schmudlach (D. Sch.): 8.06./24.09.2010