Frühe Kulturen in Oberfranken
von der Steinzeit bis zum Frühen Mittelalter

Aus den vielen Jahrtausenden, bevor die ersten schriftlichen Urkunden verfasst wurden, sind materielle Hinterlassenschaften die einzigen Quellen, die einen Einblick in historischen Abläufe ermöglichen. In diffizilen Ausgrabungen wurden die Scherben von Tongefäßen sowie Werkzeuge, Waffen und Schmuck aus Stein, Bronze oder Eisen geborgen. Diese Fundstücke unterlagen modischen und technologischen Veränderungen, aus denen sich eine zeitliche Abfolge ablesen lässt und man ein relativ genaues zeitliches Gerüst für die Vorgeschichte erstellen kann.

Einige Funde kommen von weit entlegenen Herstellungsorten, sodass an ihnen weitreichende Handelsbeziehungen abgelesen werden können. Die meisten Gegenstände stammen aus Gräbern, den wichtigsten archäologischen Quellen.  Die Anzahl und Qualität der Grabbeigaben sowie die Größe der Gräber gibt uns einen Einblick in die soziale Struktur vorgeschichtlicher Gesellschaften. Die Bestattungsart, spezielle für den Totenkult gefertigte Gerätschaften, etwa Idole oder Amulette sowie im Boden vergrabene  Weihedeponierungen beleuchten die religiöse Vorstellungswelt.

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Ausgrabungen in Siedlungen zeigen, wie die Häuser gebaut waren, wo Handwerker arbeiteten, welche Haustiere man kannte, welches Wild man jagte und mit welchen Mitteln man sich gegen Feinde zu schützen verstand. Je weiter wir jedoch in die Vergangenheit zurückblicken, desto undeutlicher wird dieses Bild, um so bescheidener werden die materiellen Hinterlassenschaften, um so ungenauer ist die zeitliche Einordnung eines archäologischen Fundes.

Die älteste Besiedlung Oberfrankens fand in der Altsteinzeit, vor etwa 100 0000 Jahren statt. Die Menschen, wohl die Neandertaler, lebten in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler. Sie hausten in einfachen Zelten und Astverschlägen und verfertigten bereits eine relativ große Anzahl verschiedenartiger Steinwerkzeuge und Waffen.

Vor etwa 40 000 Jahren musste der Neandertaler dem ihm  technologisch überlegenen Homo sapiens, also dem jetzt lebenden Menschen, weichen. Aus dieser Zeit gibt es in Oberfranken keinen Hinweis auf seine Anwesenheit, was möglicherweise an den extremen Witterungsbedingungen  gelegen haben mag. Erst gegen  das Ende der Altsteinzeit, vor etwa 12 000 Jahren, werden die Höhlen der Fränkischen Alb von Jägergruppen aufgesucht und bewohnt, was sich anhand einiger sorgfältig bearbeiteter Feuersteingeräte nachweisen lässt.  

Auf die Altsteinzeit folgte nach dem Ende der Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren die Mittelsteinzeit. Abgesehen davon, dass ein Großteil der Gerätschaften aus Feuerstein nun als winzig kleine Einsätze für Holzschäftungen gearbeitet wurde und die Menschen in kleinen Freilandsiedlungen wohnten, änderte sich das Lebensbild im Vergleich zur vorangegangenen Altsteinzeit kaum, bis vor etwa 7000 Jahren eine der wichtigsten Änderungen in der Entwicklung der vorgeschichtlichen Kultur eingeleitet wurde, die „Neolithische Revolution“ (V. G. Childe).

Die erste bäuerliche Kultur Mitteleuropas, die sogenannte Bandkeramik (benannt nach den Verzierungen auf ihren Gefäßen), hat ihre kulturellen Quellen auf dem Balkan. In der Jungsteinzeit wurde Oberfranken mit Ausnahme der Mittelgebirge Steigerwald, Frankenwald und Fichtelgebirge besiedelt. Die wesentlichen Neuerungen dieser Kulturstufe sind Ackerbau (und damit Vorratswirtschaft und Sesshaftigkeit), Viehhaltung, Hausbau, Spinnen und Weben sowie Keramikherstellung. Abgesehen von einer Differenzierung in verschiedene Kulturgruppen in der Folgezeit, von denen insbesondere die Rössener und die Michelsberger Kultur genannt seien, ändern sich die Lebensverhältnisse bis zum Ende des zweiten Jahrtausends nur wenig,

Um 2000 v. Chr. tritt nun erstmals gelegentlich Kupfer auf. Die beiden wichtigsten endjungsteinzeitlichen Kulturen in Oberfranken sind die Schnurkeramik und die Glockenbecherkultur die bei uns unterschiedliche geografisch unterschiedliche Verbreitung aufweisen. Im Gegensatz zu den Glockenbecherleuten beerdigen die Schnurkeramiker ihre Toten erstmals in Grabhügeln (so bei Neudorf, Lkr. KU oder bei Kümmersreuth, Lkr. LIF). Diese Sitte wird sich mit Unterbrechungen bis zum Ende des 5. Jahrhunderts vor Christi halten.

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Ab 1800 v. Chr., in Oberfranken vielleicht auch 100 Jahre später, findet abermals ein kulturhistorisch einschneidender Wandel statt. Werkzeuge, Waffen und Schmuck werden nun aus einer Legierung von Kupfer und Zinn (beides musste importiert werden) hergestellt. Die Bronzezeit hat begonnen.

Mit dem Besitz dieses wertvollen Metalles beginnt sich nun auch eine soziale Gliederung zu entwickeln, die sich anhand der Beigaben in den Gräbern (zu Anfang noch Flachgräber, dann Grabhügel) nachweisen lässt. In der letzten bronzeführenden Kultur, der Urnenfelderzeit (benannt nach ihren Brandbestattungen, 12. bis 8. Jahrh. v. Chr.) erreicht sie mit einem ausgeprägten Kriegeradel einen Höhepunkt. Außergewöhnlich qualitätvolle Waffen, Helme, Schilde und Schwerter aus Bronze, sowie der Bau mächtiger Befestigungen mit Steinmauern (so bei Kronach-Gehülz) verdeutlichen diese Entwicklung. 

Im späten 8. Jahrh. v. Chr. wird eine neue Epoche eingeleitet, die  Eisenzeit. Nach einem Jahrhundert der Konsolidierung entwickelt sich im 6. Jahrhundert vor Chr. ein  Häuptlingstum, das von kleinen, stark befestigten Burgen aus das Umland beherrscht und deren Träger in reich ausgestatteten Grabhügeln beigesetzt werden. Diese frühen Kelten haben in Südwestdeutschland intensiv Handel mit Griechenland getrieben, dessen Spuren in Form von Keramikimport bis nach Unterfranken hineinreichen. Vielleicht als Folge von politischen und sozialen Umbrüchen setzen zu Beginn des 4. Jahrhunderts die historisch überlieferten Keltenwanderungen ein, die weite Teile Frankens, besonders Oberfrankens, nahezu entvölkern. Im zweiten vorchristlichen Jahrhundert nimmt die Besiedelung wieder stark zu.  Angeregt durch die Verhältnisse im mediterranen Raum, bauen die Kelten nun Städte (Oppida), die von starken Stadtmauern umgeben sind (etwa auf dem Staffelberg) und gehen zur Geldwirtschaft über, was sich durch zahlreiche Münzfunde aber auch durch Münzstempel nachweisen lässt.

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In der zweiten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts werden diese Städte aufgelassen, wahrscheinlich als Folge der Einwanderung suebischer Verbände, welche die einheimischen Kelten „germanisieren“, ein Schicksal, das ihnen in ähnlicher Form bereits im römischen Machtbereich widerfuhr. Oberfranken gehört von nun an zur ‚Germania libera’, dem freien Germanien. 

Während der Völkerwanderungszeit ziehen Burgunder und Alamannen durch das Land. Um 400 nach Christi werden wiederum an mehreren Plätzen Burgen errichtet, vielleicht durch die Thüringer, die ihr Reich bis zur Donau ausdehnten. Im 6. Jahrhundert setzt dann die fränkische Landnahme ein, die nach der Vernichtung des Thüringischen Reiches (531) nun ungehindert fortschreiten kann.

Unter den Karolingern werden auch so entlegene Gebiete wie Oberfranken dem Frankenreich eingegliedert. Slawische Siedler, die für zahlreiche oberfränkische Orte namengebend waren, lassen sich spätestens seit dem 8. Jahrhundert nachweisen. Einher mit dem frühmittelalterlichen Landesausbau geht die Christianisierung, die im 9. Jahrhundert auch die im östlichen Franken lebenden Slawen zu erfassen beginnt. Mit der Konsolidierung der fränkischen Macht ist die Frühgeschichte abgeschlossen, und die Region tritt nun voll in das Licht der Geschichte.

Nach einem Aufsatz von B.-U. Abels in dem Katalog zur Ausstellung des Historischen Museums Bamberg: „Frühe Kulturen in Oberfranken – von der Steinzeit bis zum Frühmittelalter“ (o. J.) 
Bearbeitet von  Dieter Schmudlach 1/2002
 

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                       Dieter Schmudlach - 17.02.2003